Ostseezeitung vom 09. Juli 2005
Urlaub mit Kind und Kegel
Von Natur pur bis Action auf dem Abenteuerspielplatz: Touristiker im Land setzen auf faminlienfreundliche Angebote.
Anklam/Rostock (OZ) Beim Paddeln ist es wie im Familienleben. Jeder muss ran, damit es richtig funktioniert. Sicher, es genügt, wenn Mutti vorne nach Kräften rudert,
Papa hinten verantwortungsbewusst steuert und Sohnemann in der Mitte die Hand im Wasser plätschern lässt. Aber richtig Laune macht das auf Dauer nicht.
Bei Claudia Budeck (38), Jürgen Klafke (50) und Julius (9), der Urlauberfamilie aus Frankfurt am Main, klappt die Zusammenarbeit bei einer Kanufahrt auf der Peene.
Sogar ein schwieriges Wendemanöver bekommen die Urlauber gemeinsam hin, ohne dass das Schifflein bedrohlich schaukelt.
Die Kanustation Anklam ist nicht weit entfernt von der Insel Usedom. Claudia Budecks Bruder betreibt in den Kaiserbädern Ferienwohnungen, regelmäßig kommt auch die
Verwandtschaft zur Erholung dorthin. Die erzählen davon zu Hause weiter, Freunde melden sich als neue Gäste.
Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert als Werbemittel, und Leute wie Vermieter Andreas Budeck aus Bansin (Insel Usedom) strengen sich an, damit viel Gutes über
MecklenburgVorpommern zu hören ist: Familienurlaub an der Ostsee hat Tradition. Aber man muss auch etwas bieten.“ Zahlreiche Ausflugstipps wie die Peenefahrt hat
Budeck kostenlos parat, Aufbettungen für Kinder bis zum Alter von 16 Jahren werden nicht extra berechnet. Mit solchen Angeboten liegen Tounstiker im Trend. 2006
wurde zum Jahr der Familie erklärt. Der Landestourismusverband hat eine Imagekampagne mit Katalog und Internetauftritten gestartet, um zu bündeln, was das Land
Familien zu bieten hat: eindrucksvolle Naturerlebnisse einschließlich tierischer Begegnungen in freier Wildbahn oder in einem der Zoos und Tiergärten, geführte
Touren zu Wikingergräbern an der Peene, durch den Märchenwald bei Ivenack, Draisinenfahrten im Müritzkreis oder Toben in der Slawensiedlung Groß Raden bei Sternberg
(Nordwestmecklenburg).
„Rund ein Viertel aller Mecklenburg-VorpommemUrlauber kommt mit Kind und Kegel. Und ein Großteil der jungen Leute bis 18 Jahre will etwas und am liebsten Neues
erleben, gleichaltrige Jugendliche kennen lernen und möglichst noch richtig ‚Action‘ erleben‘, sagt der Chef des Landes-Tourismusverbandes, Bernd Fischer. Laut
einer Umfrage der Kieler Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen bilden immer noch Senioren die Hauptgruppe der MV-Besucher (rund 40 Prozent). Familien mit
Kindern kommen gleich auf Platz zwei.
In der Region Fischland-Darß-Zingst sind es in der Hauptsaison gar rund 85 Prozent der Urlauber, die in Familie kommen, sagt Anett Bierholz vom dortigen Tourismusverband:
„Die Nachfrage nach Angeboten für Urlaub mit Kindern wird immer größer.“ Inzwischen wird dort an einem eigenen Familienurlaubs-Katalog gearbeitet, der noch genauer als
das landesweite Produkt auflistet, was FamiIien auf der Halbinsel und im Küstenvorland erleben können und wo besonders familienfreundliche Unternehmen zu finden sind.
Das Feld Familenurlaub ist durchaus auch wirtschaftlich ein lohnendes, sagt Anett Bierholz. „ Es ist ja nicht so, dass Familien nur Billigangebote suchen. Die guten
Auslastungszahlen bei Anbietern der gehobenen Preisklasse wie Steigen-berger in Zingst oder dem dortigen Vier~Jahreszeiten~ Hotel würden das belegen.
Das bestätigt auch Christiane Heinichen von der Rostocker Yachthafen Residenz Hohe Düne, die mit Zimmerpreisen um die 200 Euro nicht eben billig ist. „Aber das
ist auch nicht unser Ansatz, dafür bieten wir alles, was einen richtig entspannenden Urlaub ermöglicht.‘ Inklusive Kinder-betreuung durch Fachkräfte in einem riesigen
Spielschiff auf dem Hotelgelände, damit Mutti und Vati Strand oder Weilness-Bereich auch mal alleine genießen können.
Das Angebot imponiert der Hamburger Seglerin Anja Groetzner (40), die während einer Ostseetour am Yachthafen festgemacht hat:
„Dass für die Kinder etwas da ist, gehört in Yachthäfen inzwischen zum Standard, sagt sie.
Dabei müsse das gar nicht etwas Übertriebenes sein, sondern nur ein Angebot zum Toben nach der Fahrt im Segelboot: „Toll ist es auch, wenn Restaurants in der Nähe
sind, dass man abends essen gehen kann. In Kühlungsborn sei es zum Beispiel nett gewesen.
Total zufrieden mit dem Paddelausflug auf der Peene ist Claudia Budecks Sohn Julius. Nur er habe einen Fischotter gesehen, erzählt er begeistert: „Jedenfalls ein
Stück vom Schwanz!‘ Außerdem eine Schlange im Wasser und einen toten Fisch im Schilf.
Infos:
www.kanustation-anklam.de
www.abenteuer-flusslandschaft.de
www.auf-nach-mv.de/familie





