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Ostseezeitung vom 3. Juli 2004



Biber-Ansitz auf der Peene: Erkundungstour mit Kanu im Naturparadies des Flusses bei Anklam

Das Peenetal bei Anklam gilt als herausragendes Naturparadies von europäischem Rang. Vor allem im Kanu kann man das Leben an und auf der Peene kennenlernen. Immer mittwochs gleiten etwa zehn Kanus in den Fluss. Die Paddler haben alle einen Wunsch: sie wollen den Biber sehen.

Von STEFAN BRÜMMER



Anklam. Carsten Enke baut nicht nur Boote, er paddelt auch gerne auf seinem Fluss. Den kennt er aus dem Effeff und weiß um seinen Reichtum: Kranich und Feuerfalter, bunte Libellen, Hechte, Eisvögel und - vor allem - Biber. Was liegt da näher, als diesen Schatz Naturfreunden näher zu bringen. Und so führt er sie aus, auf seinem besonderen Fluss. Denn so träge wie er, fließt keiner. Kein Wunder: die 100 Kilometer lange Peene, oft verwechselt mit dem Peenestrom, hat vom Kummerower See bis zur Mündung in den Strom nur ein Gefälle von etwa 30 Zentimetern. Bei starkem Ostwind kann es da­her schon mal vorkommen, das die Peene „rückwärts“ fließt.

Das alles freut solche Kanuten, die keine perfekten Paddler sind. Denn durch die träge Strömung des Flusses muss man nicht mit ihm "kämpfen". Aber ein wenig aufpassen muss man schon, wenn man sich ins Kanu setzt. Das Ding ist schließlich kein Auto. Das wäre auch zu laut für die abendliche „Peenesafari“, wie die Touren heißen, die der 37-jährige Enke (Tel. 03971/242839) im Sommer immer mittwochs anbietet.

Und wer da glaubt, der Biber sei nur ein Lockmittel, um Leute ins Kanu zu locken, irrt. Schon knapp 200 Meter stromaufwärts hinter dem Anklamer Wasserwanderrastplatz schlug Donnerstagabend laut klatschend die erste Biberkelle aufs Wasser - weg war er. „Seid leiser!“, sagt einer, Und dann wurde nur noch geflüstert. Denn alle etwa 20 Naturfreunde wollten ihn sehen, den Castor fiber.

Viele kennen seine traurige Geschichte: Der Biber galt einst als fast ausgerottet. Dabei gab es ihn im 17. Jahrhundert an fast allen deutschen Flüssen. Die Ortsnamen Biberach, Bebra, Bobr oder Böbrach verraten es uns noch heute. Biberfleisch und der unbehaarte Biberschwanz (Kelle) galten als geschätzte Fastenspeise. Biberpelze und Biberhüte trugen die Ratsherren. Und mit dem Bibergeil - das in der altdeutschen Heilwissenschaft als krampflösendes Mittel verwendet wurde – trieben die Kaufleute schwunghaften Handel.

Noch im Jahre 1650 ver­zeichnete das Jagdregister des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen 347 erlegte Biber. Aber bereits um 1714 war der Biber schon so selten, dass der „Alte Dessauer“ vom Landgrafen von Hessen für jeden Biber einen ,,Langen Kerl“, also einen Soldaten bekam. Es existieren eindeuti­ge Beweise, dass die Ausrottung des größten europäischen Nagers fast allein das traurige Verdienst skrupelloser Wilderer, geltungssüchtiger Sonntagsjäger und übler Geldmacher war.

An der Peene bei Anklam wurde er vor gut 30 Jahren ausgesetzt, deshalb ist der Peene- Biber eigentlich ein Elbe-Biber. Der feiert hier seitdem ein glänzendes Comeback. 2004 haben Naturschützer etwa 80 Biberburgen an der Peene gezählt, man kann also gut und gerne davon ausgehen, dass etwa 100 an der Peene leben. Und wer in der frühen Morgen- oder Abenddämmerung am oder auf dem Fluss unterwegs ist, sieht ihn bestimmt. Die Touri-Truppe mit Carsten Enke sah an diesem Abend etwa zehn Exemplare. Einige konnte man mit dem Glas hervorragend beobachten. Aber nicht nur die Nager. Auch Kraniche, Trauerseeschwalben, Eisvögel und Graugänse wurden gesichtet. Und als die Rücktour angetreten wurde, begleitete die Paddler der unheimliche Ruf der Rohrdommel.

Wer Biber auf der Peene beobachten möchte, muss in der Dämmerung sein Glück versuchen. Der romantische Fluss mit breitem Schilfgürtel und schwacher Strömung bietet aber auch andere Reize, die jeder Naturfreund für sich suchen kann und finden wird.


Infos:
www.kanustation-anklam.de
www.abenteuer-flusslandschaft.de