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Ostseezeitung vom 09. Juli 2005



Auf der Suche nach dem Engelwurz

Anklam.
Kraft und Wohlgefühl soll der Engelwurz spenden und für warme Beine sorgen, haben die Teilnehmerinnen des Kräuterseminars der Lassaner Ackerbürgerei in den letzten Tagen gelernt. Doch das heimische Kraut ist so leicht nicht zu finden. Also machten sich die 11 Kräuterfrauen mit der Berliner Heilpraktikerin Gisela Sticker aus Berlin am Donnerstag auf die Suche nach der Pflanze. Nicht etwa zu Fuß, sondern mit dem Kanu – immer entlang der Peene. Punkt 18 Uhr sollte die „Peene-Safari“ an der Anklamer Kanustation starten, doch dunkle Gewitterwolken verzögern das Abenteuer. Kein Problem für die Frauen, die die Zwangspause zum Fachsimpeln nutzen. In ihrem Seminar, sagen sie, besinnen sie sich auf das alte und fast verloren gegangene Wissen über die Kräuter der heimischen Region. Warum sollen sie teure Kräuter aus China kaufen, wenn die Kräuter vor der eigenen Haustür genauso gut heilen? Vorausgesetzt, man weiß die Kräuter einzuordnen und die Heiltinkturen und Tees zu mixen. In diesem Moment blinzelt die Sonne durch die Wolken und Guide Eric Jörgensen, der von Bornholm stammt und mit dem Kajak schon bis Spanien gepaddelt ist, bläst zur Abfahrt.

Noch etwas wackelig in dem schmalen Paddelboot, stoßen sich die Frauen vom Ufer ab und ziehen ihre Paddel durch das klare Peenewasser. Doch nur wenige Schläge kommt die Gruppe vorwärts, da schüttet es wie aus Kübeln. Hastig ziehen sich die Frauen ihre Regenjacken über, um das Abenteuer nicht abbrechen zu müssen. Bei dem heftigen Regen ist die Schönheit der Natur nur noch mühsam zu erkennen. Nur langsam arbeitet sich die Truppe den Fluss entlang und kommt an Biberburgen vorbei. Die dort lebenden Tiere sind Nachkommen der einstigen Elbbiber, die vor dreißig Jahren hierher umgesiedelt wurden. Doch die Frauen haben keinen Blick für die raffinierten Burgen, sondern suchen das Ufer fieberhaft nach ihrem Engelwurz ab. Doch der lässt auf sich warten. Weiter geht es Richtung Stegenbach, ein Seitenarm der ca. 90 Kilometer langen Peene. Plötzlich ein Aufschrei: „Da, der Engelwurz.“ Mitten im Uferschilf steht er. Vorsichtig tasten sich die Kräuterfrauen ans Ufer und trennen das Kraut von der Erde. Mit dem ersehnten Engelwurz in der Hand geht es zurück Richtung Anklam. Von den Bibern ist noch immer keine Spur. „Es kann sein, dass das Gewitter sie erschreckt hat“, meint Eric Jörgensen. Sanft legten sich kleine Nebelschwaden auf das Wasser. Die Natur verabschiedet sich von einer ihrer schönsten Seite. Gegen 21.30 Uhr haben die Safari-Teilnehmer endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Glücklich über ihre erfolgreiche Kräutersuche.
KATJA ROSENKRANZ

Infos:
www.kraeutergarten-pommernland.de
www.kanustation-anklam.de
www.abenteuer-flusslandschaft.de