Auf dem Amazonas des Nordens
Ostseezeitung vom 23. August 2005
Über 2000 Seen und jede Menge Flüsse. Dazu kommen 1700 Kilometer Küstenlänge. Mecklenburg-Vorpommern bietet unendliche Möglichkeiten für Wassersportler.
OZ-Reporter empfehlen drei idyllische Touren für Paddler.
Jarmen/Anklam (OZ)
Die „Industrieromantik“ mit Speichern und Silos ist schnell vergessen, wenn man in Jarmen an der Brücke der Bundesstraße 96 die
Paddelboote in die Peene setzt. Nach wenigen Paddelschlägen ist auch die Autobahnbrücke der A 20 passiert. Der einzige Hinweis auf Zivilisation sind
dann nur noch die Kilometermarken, die gut sichtbar am Ufer stehen. Nach fünf Kilometern öffnet sich rechts der Peene eine kurze Verbindung zu einem
Baggersee, der weit und breit einzigen Landemöglichkeit. Zeit für eine kurze Pause.
Nach weiteren drei Stunden ist das Klosterdorf Stolpe erreicht.
Reste des Klosters sind gut sichtbar, die Gaststätte „Fährkrug“ ist willkommener Rastplatz. Nach weiteren fünf Kilometern lohnt der Halt am Tannenberg
von Menzlin, bis vor 1000 Jahren Wikinger-Hochburg. Steingräber erzählen von der Geschichte der Nordmänner, die hier gegen die Slawen kämpften.
Die
letzten fünf Kilometer bis Anklam säumen Torfstiche und Seerosenfelder den Fluss, bis sich die Stadt dann mit einem immer stärker werdenden Geräuschpegel
ankündigt. Die Peene liegt inmitten eines großen Durchflussmoores. Dieses riesige Moorgebiet, das Peenetal, erstreckt sich wie ein grüner Schlauch über
90 Kilometer Länge, ist dabei aber nur zwei Kilometer breit. Mächtige Torfschichten verhindern bis heute größtenteils die Bebauung des Ufers, und so konnte
sich eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt erhalten. Der Fluss mit dem Beinamen „Amazonas des Nordens" ist Heimat für Seeadler, Eisvogel, Otter und Biber.
Unter Paddlern gilt die Peene als „letzter unverbauter Flusslauf Europas“. Noch immer gilt die Peene als Geheimtipp in der bundesdeutschen Paddler-Szene.
Während man sich auf der Mecklenburger Seenplatte an sonnigen Tagen vor Booten kaum retten kann, sind Paddler auf der Peene oft stundenlang allein. Am Oberlauf
nahe Aalbude fährt man durch bewaldete und schattige Flussabschnitte mit riesigen Erlenbruchwäldern. Biberburgen an den Ufern des Flusslaufs künden von
den nachtaktiven Tieren, die hier gut beobachtet werden können.
Weiter flussbawärts dehnen sich weite Schilfgebiete und Flachwasserseen rechts und links
des Ufers aus. Das macht allerdings auch das Rasten und Übernachten für Paddler schwierig. Dafür gibt es eine Reihe von Wasserwanderrastplätzen, die
oft erst in den letzten Jahren entstanden sind und über eine moderne Infrastruktur verfügen.
KLAUS WALTER
Infos:
www.kanustation-anklam.de
www.abenteuer-flusslandschaft.de





